Erläuterungen zur EURATOM-Richtlinie

Im Mai 2013 einigten sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union auf einen gemeinsamen  Vorschlag für „grundlegende Sicherheitsnormen für den Schutz vor den Gefahren einer Exposition gegenüber ionisierender Strahlung“. Dieser wurde am 17. Januar 2014 als Richtlinie 2013/59/EURATOM im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und muss binnen einer Frist von vier Jahren, bis zum 06. Februar 2018  in nationales Recht umgesetzt werden. Eine umfassende Überarbeitung der bisherigen Strahlenschutz- und Röntgenverordnung zur Einarbeitung der Vorgaben wird notwendig sein.

Ziel der Richtlinie ist ein verbesserter und normierter Schutz der Bevölkerung sowie beruflich exponierter Personen vor möglichen Gefahren, die ionisierende Strahlung entsteht. Dabei werden sowohl künstliche als auch natürliche Quellen betrachtet und hierzu Grenzwerte festgelegt, die den Mitgliedstaaten lediglich als Mindestwert, der bei nationaler Umsetzung auch strenger ausgelegt werden kann, vorgegeben.


Maßnahmen zum Schutz vor dem natürlich vorkommenden radioaktiven Edelgas Radon

Bisherige normative und gesetzliche Vorgaben zur Minderung der Belastung durch ausgasendes Radon finden sich weder auf Bundes- noch auf Landesebene. Diese Lücke soll durch die Richtlinie geschlossen werden. Neben Angaben zur maximalen Aktivitätskonzentration und Dosisgrenzwerte werden die Mitgliedsstaaten verpflichtet eine aktive Informationspolitik und Maßnahmen zur Reduktion von Radon in Gebäuden zu betreiben.

Durch epidemiologische Untersuchungen in Wohngebäuden konnte „eine statistisch signifikante Zunahme des Lungenkrebsrisikos durch eine längere Radonexposition in Gebäuden im Bereich von etwa 100 Bq/m³“  nachgewiesen werden. Europaweit wird erstmals ein einheitlicher Referenzwert für die mittlere Radon-Konzentrationen in Gebäuden festgelegt. Dieser Referenzwert liegt bei 300 Bq/m3 und ist damit deutlich niedriger als die bisher unverbindlichen Empfehlungen.

 

 

Radonkonzen-

tration in der Raumluft


Weltge-sundheit-sorganisation


WHO

Internationale Strahlenschutz-

komission


ICRP

Deutsche

Strahlenschutz-

komission


SSK

Kommission der Europäischen Union

Jahr

2009

2011

1994

2014

für zu errichtende Gebäude

100 Bq/m³

-

250 Bq/m³

300 Bq/m³

für bestehende Gebäude

100 Bq/m³

300 Bq/m³

250 Bq/m³

300 Bq/m³

Empfohlene Richtwerte für die Radonkonzentration in Wohnräumen


Neben der Festlegung von Grenzwerten erfolgen weitere Vorgaben, die auf den allgemeinen Grundsätzen des Strahlenschutzes beruhen. Hierzu zählen u.a. die Begrenzung der Individualdosen, die Senkung der Wahrscheinlichkeit einer Exposition sowie eine Minimierung der Anzahl exponierter Personen unter Berücksichtigung technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktoren.

Der Auswahl der richtigen Schutzmaßnahme geht die Feststellung einer erhöhten Belastung voraus. In Artikel 74 zur Radonexposition in Innenräumen  besteht die Pflicht der Mitgliedsstaaten zur Förderung der Ermittlung der Radonkonzentration. Überdies hinaus werden Radonmessungen an Arbeitsplätzen, die sich im Erd- oder Kellergeschoss befinden, vorgeschrieben.


Externer Link zur EURATOM-Richtlinie