Heimliche Radonquellen

Sekundäre Uranmineralien vermögen unter UV-Licht zu leuchten und sind gerade als Autunit stark radonexhalierend

Autunit unter UV-Licht

Schon weit vor der Entdeckung der Radioaktivität, sowie des Elementes Radon, wurden Uranerze für die Fabrikation von Farben in der Glas- und Porzellanindustrie genutzt. Uranylver-bindungen besitzen  gelbe, orange, rote oder grüne Farbtöne. In Form von reiner Pechblende (Uraninit), fand es häufig Anwendung als schwarzer Farbstoff. Auch die Fähigkeit eines speziellen Uranyl-Kations (UO2 2+) im UV-Licht zu grün zu fluoreszieren, wurde und wird bis heute genutzt. Nebenstehende Abbildung zeigt Autunit (Ca[UO2│PO4]2x10H2O), ein sekundäres Uranmineral (Uranglimmer) unter UV-Licht fotografiert.

 

Rechblende, Uranitit, Uranmineral

Pechblende Lagerstättensammlung Hartenstein (Sachsen)

Minerale auf Uran- oder Thoriumbasis können hohe Radoninnenraumbelastungen zur Folge haben und sind keineswegs selten. Uran und Thorium sind mit einem Anteil von 3,2 ppm bzw. 11 ppm in der Erdhülle zu finden. Folglich ist Uran etwa 26 Mal häufiger als Gold (0,005 ppm) und Silber (0,12 ppm) in Summe - Thorium sogar 88 Mal häufiger. Aufgrund ihrer Reaktivität kommen sie nicht elementar, sondern nur als Minerale vor. Thorium häufig in Monazitsand als Th[PO4], seltener in Thorit (Th[SiO4]) und Thorianit (ThO2). Uran kommt in hunderten verschiedener Minerale vor, das Häufigste ist das oben bereits erwähnte Uraninit (Pechblende). Desweiteren ist Uran in vielen Graniten aber auch in Schlackenfüllungen in Gebäuden vermehrt enthalten. In Bezug auf Thoriumninerale ist es wichtig zu wissen, dass in der Thorium-Zerfallsreihe das Edelgas Radon-220 (auch Thoron genannt) entsteht und nicht das Radon-222 aus der 238-Uran-Zerfallsreihe. Dieses können die meisten gängigen Exposimeter bzw. Messgeräte nicht erfassen. Falls Sie Thoriumminerale besitzen oder dies vermuten oder Lehmbauten bevorzugen, bietet unser Gerätefundus Möglichkeiten, um Thorongas messtechnisch genau zu erfassen.


Uranglas - die grüne Fluoreszenz basiert auf dem enthaltenen Uranyl UO2 2+ Kation

Uranglas unter UV-Licht

Trotz teils hohen Beimengungen an Uran gilt Uranglas aus Sicht des Schutzes vor Radon als unbedenklich. Dies hat zweierlei Gründe: Erstens wird bei der Herstellung das Uran von seinen Folgeprodukten getrennt, zweitens ist die Glasmatrix gasdicht und das entstehende Radon kann nicht ausgasen. Deshalb können auch historische Uranglasgegenstände als radonsicher betrachtet werden, selbst wenn zum damaligen Zeitpunkt eine vollständige Abscheidung der Folgeprodukte nicht möglich war.  Allerdings können solche Gegenstände aus dem Gesichtspunkt des Strahlenschutzes aufgrund der abgegebenen Gammastrahlen unproblematisch sein. Auch in diesem Punkt stehen wir gerne für Ihre Fragen zur Verfügung.


Radon-Emanatorien werden zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur gesundheitsfördernden Wirkung radonhaltigen Wassers verwendet.

Radium Emanatorium nach Doktor Richter um 1920

Das in Deutschland entwickelte Radium-Emanatorium wurde von Doktor Richter entwickelt, um eine Trinkkur mit radonhaltigem Wasser für den Heimge-brauch zu ermöglichen. Durch den Einbau einer Radiumquelle (Ra-226) kann durch Hinzufügen von Wasser das durch den radioaktiven Zerfall von Uran (U-238-Zerfallskette) entstehende Radon-222 in das Wasser übergehen und getrunken werden. Radon löst sich gut in Wasser, in organischen Flüssig-keiten noch deutlich besser. Dieser Apparatur wurde zu damaligen Zeiten eine gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Die Anwendung dieser Systeme ist gesundheitlich jedoch als höchst bedenklich einzuschätzen. Die Emanatorien werden teilweise ohne Fachwissen auf Flohmärkten als Keller- oder Dachbodenfund angeboten. Diese Vorrichtungen gasen extreme Konzentrationen an Radon-Gas aus und sind auch aufgrund ihrer Gammadosisleistung umgehend aus Wohnhäusern zu entfernen. Es ist aufgrund der vergangenen Jahre seit Produktion auch nicht mehr sichergestellt, dass sich der höchst krebserregende Ausgangsstoff: Radium-226 im Wasser auflöst und mitgetrunken wird. Trinken Sie daher auch keinesfalls aufbereitetes Wasser aus dieser Vorrichtung. Die staatlichen Landesämter für Umwelt sowie die Gewerbeaufsichtsämter entsorgen ggf. Ihre privaten Funde kostenlos.


Radium Wecker - durch den Zerfall von Radium-226 wird Zinksulfid zum Dauerleuchten angeregt.

Radium Wecker

Kurz nach dem ersten Weltkrieg bis in die 1960er Jahre wurden Armbanduhren und Wecker hergestellt, die ohne Strom und Mechanik permanent leuchteten. Dazu wurde ein Gemisch aus Radium-226 oder auch Promethium-147 dotiert mit Zinksulfid hergestellt und auf die Ziffernblätter bzw. Ziffern der Uhren aufgebracht. Die Dosis (durch ionisierende Direktbestrahlung: "alpha", "beta", "gamma") die durch diese Uhren selbst ausgeht ist als gering einzustufen. Jedoch emaniert aus den Öffnungen dieser Uhren Radon und kann in Schlafräumen die Radonbelastung erhöhen. 


Radium Wecker - das zerfallende Radium lässt das Zinksulfid permanent erleuchten - hier im eigenen Licht

Radium Wecker im eigenen Licht

Zinksulfid kann durch Licht (leuchtende Weihnachtssterne für Kinder, Notbe-leuchtungen bei Fluchtwegsbeschilderung) aber auch durch Radioaktivität zum Leuchten angeregt werden. Radon Management Süd empfiehlt derartige Wecker aus Schlafräumen, Kinder- und Wohnzimmern zu entfernen und zu entsorgen. Falls Sie doch gerne diese radioaktiven Gegenstände aufbewahren möchten, deponieren Sie diese bitte an einem gut durchlüfteten Ort (Dachboden, Gartenhäuschen etc.).



Schlacke aus Fehl- bzw. Zwischenböden kann Ursache für erhöhte Radonaktivitätskonzentrationen sein

Entnommene Schlacke aus Fehl- bzw. Zwischenböden

Schlacke bzw. Schlackengranulat wurde in Altbauten insbesondere für die Wärme- aber auch für die Trittschalldämmung in Zwischenböden stockwerkweise eingefüllt. Der Zwischenraum zwischen Holz - Deckbalken bot Raum für die Füllungen. Diese Schlacken sind Verbrennungs-rückstände aus der Kohleverbrennung (Energieerzeugung) sowie der Herstellung von Säuren. Bis über die Mitte des 20. Jahrhunderts hinaus diente dieser "Abfall" als günstiger Isolations- und Füllstoff in Häusern. Diese Materialien beinhalten in der Regel die Elemente Uran- und Thorium und exhalieren durch den Fußboden Radonisotope in die Innenräume. 

In wenig durchlüfteten (energiesanierten) Altbauten kann die Radonaktivitätskonzentration dadurch erhöht sein. Lassen Sie daher eine orientierende Radonmessung durchführen und ggf. das belastete Füllmaterial entfernen und durch unbedenkliches ersetzen.  Führen Sie bitte ohne Fachkenntnisse im Bezug auf Schlacke nie eigenhändige Sanierungsmaßnahmen durch! Lesen Sie bitte dazu auch den Artikel des Landesamt für Umwelt LfU.